»Zu Tode riechen«

Noch einmal neu hochgeladen: ein weiterer Übungsmitschnitt ebenfalls mit laufenden Bildern.  Anmerkung: Am 13.2.2013 habe ich das Video durch eine andere Fassung – ohne Hall – ersetzt. [Die Video-Qualität ist spooky.]

Gelesene Textpassage aus  Adèle:

Heute ist Feiertag, und ich liebe Feiertage, wenn alles still ist und geschlossen. Wenn ich keine Angst haben muss, etwas zu verpassen. Die Geschäftigkeit abseits von Heim und Gräberfeld setzt mir oft sehr zu. Aber wenn ich dann da bin, wo auch andere Menschen sind, will ich weg, nur weg. Da reicht mir schon der Supermarkt. Es widert mich an, wenn es warm ist wie jetzt, was sich da hinter den Wagen her s,schiebt. Überall verschwitzte Spalten, die ich lieber nicht riechen will, oft mit krustigem feuchtem Rand im zu knappen Textil. Da jucken die Nähte. Dazu die nackten Gesichter, von denen es in der Schwüle tropft, dumme Augen, die das Schlimmste ahnen lassen. Aber am schlimmsten sind die Stimmen. Nichts ist so unkorrigierbar wie eine schlimme Stimme. Die Leute merken es selber wohl nicht, sonst wäre die Welt sehr leise. Ich stehe hier unruhig; hinter der schwarzen Brille kitzeln mich Tränen, sie wollen raus und frei sein, so frei wie er. Ich muss dennoch lachen. Wie man dann eben lacht. Ferdi hätte doch auch nicht geweint, nicht um sich. Nur manchmal wurden ihm ganz plötzlich die Unterlider feucht. Dann drückte er mich an sich und steckte die Nase tief in mein Haar, als wollte er sich zu Tode riechen, und ich mochte es, wenn ich seinen Atem feuchtwarm auf der Schädelhaut spürte.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: