Kabinett 7-12

tumblr_m3in2lfxBj1qz9b3ko1_1280Das Erotische Kabinett 

Zweiter Band

Eine Getriebene, die öffentlich bekannt gibt, sie wolle am exklusiven Ort ihrer Wahl mit Gewalt genommen werden; eine Achtzehnjährige, die den Freund ihrer Mutter so gierig beäugt, dass Frau Mama auf eine bizarre Idee verfällt; eine Interviewerin, der vor großem Publikum das Sex Toy und die Zeigelust durchgehen; eine skeptische Schöne, die sich von einer Nobelagentur einen Mann besorgen lässt, mit dem sie niemals hätte rechnen können; eine Besessene, die es sich in den Kopf gesetzt hat, den absoluten Monarchen in die Knie zu zwingen; ein Mann, der alles für die Hure Nathalie gegeben hat und nun von ihr mit einer Surprise Party der Extreme belohnt wird .… Nichts ist, wie es scheint. In Verwirrspielen und vielen ungeahnten Wendungen geht es in den zweiten sechs Geschichten des Erotischen Kabinetts erneut um Erotik der anderen Art. Die Erzählungen lassen Kraft ihrer bildstarken und opulenten Sprache, die auch vor Grenzüberschreitungen nicht zurück scheut, die gängigen Genrebeschränkungen hinter sich und verstehen sich in der dekadenten Tradition Georges Batailles. [ca. 160 Reader-Seiten, entspricht 190 Buchseiten]

 

Die Vortänzerin

Als die Volontärin Sam ihr erstes Interview mit einer angesagten Epigonen-Band bekommt, die einer Ikone der Sixties huldigt, führt sie das Gespräch nicht etwa ordnungsgemäß, sondern macht endlich einen lang gehegten Traum der Extreme wahr, vor den Augen eines fassungslosen Publikums.

Textprobe aus Die Vortänzerin

Meine Großeltern wussten es noch. Sie wussten noch, was Musik ist. Ich weiß es durchaus auch, aber das nützt mir nichts. Mich hat es im Niveau gedrückt, mich furchtbar niedergezwungen, bis meine Feder alles hergab, bis sie flüssig und fruchtbar war, und eigentlich beherrsche ich, was an Beherrschung notwendig ist für das große K. Nicht K für die hehre Kunst. Sondern für das andere K. K wie Kommerz. Ein Schwur ist es ja schließlich nicht, mich hier zu verkaufen. Kann ich noch immer anders machen. Dachte ich zumindest. Das Höhere, zu dem es mich zog, es mochte bitte warten. Neunzehn bin ich heute. Zarte neunzehn, wie die Wichser sagen. Meine geliebten Wichser, die mir seit immer Vorbild sind und denen mein Schwellgewebe gehört, seit ich einstmals gezielt die Büsche nach ihnen durchstrich, in denen sie einmalig stramm standen und mir den Rhythmus vorgaben mit ihrer schnellen Hand. Der Neigung zu ihnen ging ich nach, während die Natur erste Sprünge mit mir vollführte, erste Knospensprünge, und ich mich nicht satt sehen konnte, weil es mir, langsam, dann schneller, Stück für Stück die Schenkel auseinander trieb, bis ich mich endlich anfassen musste und steil wurde wie die Wand, manchmal in Sekunden, ganz schnell.
Vergessen habe ich diese Männer nie.
Bislang blieb es ein Traum, das Hohe, Steile doch noch zu tun. Ein Traum für später, dachte ich, als ich meinen Schreibjob annahm und als ich noch achtzehn war.
Could get much higher than that, summe ich weiter in mich hinein, während die Tasten klappern, verfehle den wissenden Ton und auch ein leichtes Schütteln der noch gebändigten Locken, aber ich sehe mich mit dem Innenauge, das auf morgen schauen kann, deutlich schwankend um die Stange, schwankend ums kreischende Mikrofon.
Doch meine Haare sind ungelöst. Das Zopfgummi nimmt den Effekt. Es jubelt mir kein Publikum. Es staubt nur das Büro.
Could get m u c h higher than that

Und bin ich nicht willig

Anonym und mit Gewalt genommen zu werden, das ist Susannas Traum. Nach längerer Überwindung sucht sie in einem sozialen Netzwerk einen willigen Rape Player. Was sie dann am Ort ihrer Wahl, dem obskuren Café de la Malmaison, tatsächlich erlebt, sprengt sämtliche ihrer Erwartungen.

Textprobe aus Und bin ich nicht willig

Ort: Café de la Malmaison, Kleiner Salon
Zeit: 20 h
Codewort: Keins.
Will nicht gerettet werden.
Strikter Maskenzwang.
Gesicht bitte verhüllt.
Ich selbst komme ebenfalls larviert,
wie es den Regeln
des Hauses entspricht.

Das kleine Café liegt in einer Seitengasse, die man kaum verschwiegen nennen kann, da hier laut getuschelt wird, seit dort Menschen denken oder es auch sein lassen. Dieses kleine Café hat es mir furchtbar angetan, als ich es letztens erstmals fand. Wochen mag es her sein oder Monate. Es ist eine Kaschemme von miesem Pariser Charme oder was man dafür hält. Könnte auch Berlin sein oder gleich Metropolis. Pseudo, einfach pseudo, das ganze Interieur. Nun ja, Kaschemme ist falsch oder sogar ungerecht. Es ist ein Etablissement von unerhörter Art. Hier wird vor allem eins: Es werden laufend Gebete erhört, Wünsche endlich erfüllt, Schmachten doch noch zu Genuss.
Jedenfalls für mich, hoffe ich.
Es, das Café, hätte mich niemals so sehr in seinen Bann gezogen wie ein kleines Insekt das Licht, läge nicht hinter dem warmen Geschummer aus dem Plattenspieler, der rund um die Uhr Vinyl zerkratzt, jener eine Raum, den ich nur einmal betreten habe. Läge nicht hinter der Theke mit der ewig gleichen Dame ohne jedes benennbare Alter, halb Puffmutter, halb Concierge, jener eine Raum, dessen Schwelle ich heute endgültig überwinde, vorsichtig Fuß vor Fuß. Läge nicht hinter den Mädchenjener eine verborgene Raum, die zwar stets halbnackt, aber immer unkenntlich und selten willig sind, schon gar nicht gegen Geld, weil sie wahrscheinlich dort alle, so wie ich, auf der Suche sind nach dem, was man nie mehr vergisst. Ja, läge dort nicht dieses Hinterzimmer, getaucht in geronnenes Licht, das schwer an seiner Röte trägt, beinahe ist es braun, vergilbt wie eine große Zeit, wie eine goldene Ära, von der der blasse Rand der Kaffeeflecken blieb. Und aller Champagner vergossen. Läge nicht dort der KleineSalon des ehrwürdigen Malmaison, stünde dort nicht dieses Gestühl, das mich fertig macht, seit ich es zum ersten Mal sah, hinten in den Kulissen; alles wäre nicht, wie es ist.
Und ich wäre nicht hier.

Lolettes Beichte

Zu ihrem achtzehnten Geburtstag erhält die laszive kleine Lolette, die zum Kummer ihrer Mutter keine gleichaltrigen Freunde mag, sondern weit ältere Herren lüstern beäugt, von Frau Mama ein besonderes Geschenk, das an Perversion und grandioser Infamie nichts zu wünschen übrig lässt.

Textprobe aus Lolettes Beichte

Da höre ich es durch die Tür. Gerade sind sie schon wieder dabei. Es ist sein Geschenk, seine Morgengabe, exklusiv an sie unter Ausschluss meiner Person. Den ganzen Morgen Kissenschlacht auf dem französischen Bett, das King-Size-Proportionen erreicht, wenn Lolette darauf herumtollt und neckisch in den Spiegel schaut, in den großen Kristallspiegel, der von der Decke herabhängt. Damit sie besser sehen kann. Damit sie alles das, was kommt, besser mit den Augen verfolgen kann. Ihn und sich selbst von oben, von unten, von hinten, von vorn. Diese kokette Nabelschau ist ihr Wunsch gewesen. Es Peer einmal so richtig zu zeigen oder es sich viel mehr von ihm so richtig zeigen zu lassen, dass ist ihr sehnlichster Wunsch gewesen, natürlich verbrämt als Kissenschlacht.
Ich sehe ihre Honighaut durch das Flatterhemdchen, das weniger verdeckt als zeigt, als wäre dies anders gar nicht zu denken, ein degoutantes Babydoll mit Spitze, Tüll und in Schwarz-Pink. Sie könnte gleich Dessous tragen, die sich nach einem Geheimnis benennen, das längst keines mehr ist. Aber Lolette kennt keinen Geschmack, nur derbe Gewöhnlichkeit und Ausreizung des einen Klischees unter Verwendung von Ausrufungszeichen unbestimmter Zahl. Ihr Jugendzimmer ist voll davon, überall rote Ausrufungszeichen, die sie gern grafisch verziert und nach Gusto variiert. Meist macht sie dicke Schwänze daraus, die kopfüber hängen und aus denen gerade ein Punkt abtropft, fett und weich, wie von einem Lolli herab, den sie schon halb aufgelutscht hat.
Ich sehe sie ihre Beine durchstrecken, deren Schenkel so makellos sind, so unantastbar schön wie kühle glatte Stoffe, falsche Seide vielleicht, aber nicht billig schillernd, sondern von seltenem Edelmatt. Ich sehe, wie ihre Schienbeinknochen sich vollendet durchschwingen bis in die zierlichen Zehen. Ich sehe sie ihre Arme hochrecken, hinter dem Nacken kreuzen und überzogen gähnen. Ich sehe, wie sie sich schamlos steigert zu einem gigantischen O, gebildet von ihren offenen Lippen, die sich so weit aufreißen lassen, dass es nicht mehr anständig ist.
„Mund zu, Fräulein!“, sage ich ihr ständig.
Worauf sie den Mund noch viel weiter aufreißt. Was sich dabei natürlich entblößt, wenn sie ihre Arme hebt: Eine schöne Hälfte, eine knackige Backe ihres festen Kinderpos, der lange keiner mehr ist, den die Rundungen denunzieren. Ein Po, der sich jeden Tag verrät, an dem sie ihre knappen Höschen süffisant aus der Ritze zieht, sodass es auch ja alle sehen. Der nächste Buchstabe, den sie liebt, ist das große L; es steht für den Namen, den sie sich einfach selber gab, als sie vierzehn wurde, denn eigentlich heißt sie Renée. Das ist doch nicht schlecht. Aber sie liebt es eben Französisch, kann davon nicht genug haben und verdoppelte sich, damit es auch niemals zu wenig gab von ihrer dreisten Person.
„Künstlername“, sagte sie nur.
„Mamaaa, das verstehste nicht.“
Das L ihres Künstlernamens malt sie gern als Stöckel, als Stichwaffen-Stiletto an ihre Zimmerwände. Ein L, das sich durch Weiches bohrt, als wäre es nicht das erste Mal, denn das Weiche wehrt sich nicht; es gibt einfach nach.
So wie Peer.
So wie bislang ich.
Aber das wird sich ändern. Ich sagte es bereits; ich habe einen Entschluss gefasst.

Pussy Royale

Sie will nichts Geringeres als den ultimativen Kick – und legt sich entsprechend ins Zeug. Erst über einen exotischen Trick jedoch gelingt ihr das Unmögliche. Als sich Judith Jahre später entschließt, ihre ungewöhnliche Begegnung an die Medien zu verkaufen, wittert der Redakteur, an den sie sich wendet, einen späten Skandal und ermutigt sie …

Textauszug [Beginn] aus Pussy Royale:

So ist kein Mythos groß genug, um ihm gerecht zu werden. Es existieren mehrere, die unvereinbar sind. Die Grauzonen dazwischen dehnen sich beträchtlich, sind aber schwacher, schutzloser Grund, entsprechend schwer begehbar und unheilbar geprägt vom unliebsamen Zwang, vor diesem Mann in die Knie zu gehen … als schlänge ich etwas Großes langsam die Kehle hinab, bis es mich zum Bersten ausfüllt. Immer ist es so mit mir, immer bildet sich etwas im Schlund, als ob ich nicht mehr schlucken könnte, wenn ich von ihm rede, den ich noch kaum benennen mag, so heilig ist er mir, und über den kein Mensch je wirklich Klartext sprach, obwohl sie es hätten tun können, ganz leicht, hundert- und tausendfach, in jedes Mikrofon hinein und in den entzündlichen Blätterwald. Wenn es nicht doch nur ganz Wenige waren, die er so nah heran ließ und ich dazu gehöre zu jenem erlauchten Kreis. Es wäre klug gewesen von ihm, es nicht mit jeder durchzutreiben und sich dort zu sperren, wo es ihm geraten schien. Einen guten Grund hätte er gehabt. Mindestens den einen. Das schreibe ich jetzt aber nicht. Durchstreichen.
Wenn also etwas bezeichnend ist, sind es jene Widersprüche, die ihn alle zugleich ausmachen: Rebell und Muttersöhnchen; Beschwörer Der Einen und Hurenverschleißer; Mr. Nice und Fan der Gewalt; Drogenfeind und Pillentier; charmanter Selbstberauscher, aber gefangen in Bigotterie; Gnadenhammer center stage und doch nur Verschwender seines Talents; erhaben herrschender Souverän und Gott aus der Maschine; demütig im Glauben und Pantokrator allem zum Trotz; Traum der schreienden Heerscharen und doch kaum mehr als Lachnummer. Weltrekord und Totalreinfall. Alles und am Ende nichts.

Perle & Sau

Ort: Eine Nobelmeile. Die neunzehnjährige Caprice will sich etwas Besonderes gönnen und sucht zu diesem Zweck das vornehme Büro der Agentur Perle & Sau auf. Die Wünsche, die sie äußert, bringen den Inhaber auf eine sehr spezielle Idee. Die Kundin soll ruhig erleben, was sie einfordert, ohne dass sie ahnen könnte, worauf sie sich wirklich einlässt: ein Abenteuer, das sie niemals mehr wird vergessen können.

Textauszug aus Perle & Sau

Letztens, vor zwei Wochen, an einem hellen Tag, betrat eine Laune mein Büro wie das überscharfe Licht jener raren Stunden, in denen alles zu gut riecht, gleich einer schamlosen Göttin, die sich mir fest in die Nase presst, gleich einem Wind, ihrer feuchten Witterung, der viel weiter trägt als eine laue Brise oder ein flüchtiges Lüftchen aus beliebiger Stimmung heraus. Neigte ich dem Pathos zu, ich würde sogar sagen: Der Kranz aus Strahlen, der die Gestalt vor mir rahmte, ihre ganze Silhouette vom Scheitel bis zu den nackten Zehen, glich der speienden Corona eines unentdeckten Gestirns, einem steten Züngeln, das mich ernsthaft blenden mochte, wenn ich noch länger ins Gegenlicht sah; als so stark empfand icp align=“right“brh es, ganz anders als den matten Schein meiner müden Alltagssonne durch die milchige Scheibe hindurch, auf der unser Name prangt. Sonst neige ich gewiss nicht zum Schwulst. Darum heißt ja auch meine Firma ganz anders, nämlich handfest und knackig so: Perle & Sau Incorporated.
Der Partner der Perle bin ich. Gestatten: Marcel Sau. Darum auch war sie hier. Weil ich nicht zu Phrasen neige, sondern stets diskret beschaffe, was gewünscht ist an Fakten, Fällen, Tatsachen, meist an nackten Tatsachen.
Doch auch wenn ich eher lakonisch bin, eigentlich und sonst, manchmal sogar schweigsam, so hatte sie doch das, was meine Worte veränderte, als hätte man mir zuvor jedes einzelne luxuriös durch die Nüstern gezogen wie körperwarme Wäsche aus ihrem feuchten Besitz. Sie kam nicht in Farben, sondern sie kam ohne; sie kam und machte mich blind; sie trat als diese plötzliche Laune in meine kühlen Räume hinein; und sie ging, nein, sie stolzierte, auf den langen Beinen einer ganzen Frau, die noch keine war, aber bereits so tat. Entsprechend stellte sie sich vor.
„Ich heiße Caprice“, sagte sie mit erstaunlich dunkler Stimme und der Heiserkeit der Jugend, die noch nicht glatt sprechen will – abgeschliffen, geradeheraus und tausend Mal gesagt -, sondern die sich ein Timbre leistet, das sich ein wenig anhört wie Bilitis oder Trilitis oder eine andere Krankheit aus dem venerischen Kinokanal gleich bei uns um die Ecke oder aus dem Pornoskandal ebenfalls direkt um die Bie„Künstlername“, sagte sie nur./i gunspan style=“font-size:1/span/font4px;“g der Straße, diesmal um …die andere, links von hier, im Schaukasten de/fonts nächsten Blattes, das sich mit grellen Lettern anpreist am Ende eines Quergässchens zu unserem breiten Boulevard, an dem meine Geschäftsräume liegen. Nur dass Caprice zu edel wirkte, um Mädchen von Seite 1 zu sein.

Der Name der Hure

Alles hat er für diesen Engel gegeben. Nun erwartet er Nathalie, die Hure gewesen ist, sich jedoch von ihm hat auslösen lassen, zu einem Date in der Silvesternacht, in der die beiden ihre junge Liebe feiern wollen. Doch wäre sie nicht Nathalie, zöge sie nicht für ihn eine schamlose Surprise Party ab. Auf dem Weg vom Freier zur Freiheit erwartet ihn ein Schauspiel der Sinne, das seinesgleichen sucht.

Textprobe aus Der Name der Hure

Heute wird sie endlich kommen. Hat er nicht jeden Preis bezahlt, nur um diese Frau zu sehen, sie ein einziges Mal zu sehen? Zu hören, zu riechen, zu bestreicheln, heiß und ungewaschen? In einer Nacht, die keiner kennt, an einem Ort, der kaum sich selber nennt, so fremd, so klein, so abgelegen?
Bald, so hat sie ihm gesagt, wird sie frei und bei ihm sein, zu einem guten Ende, zu einem schönen Ende hin, zu einem Crescendo der Sinne, die weder so taub sind wie seine Finger noch so blind wie sein Blick im grauer werdenden Abendschnee. Wild will er noch einmal sein, und das kann niemand sonst als sie aus seinem Körper hervorlocken, dessen Lust noch vertikal ist, das Fleisch zur Lust jedoch nicht. Ja, ein Happy End, eines kurz vor Tores Schluss, das hat er sich verdient; kurz bevor auch die letzte Pforte, die letzte Eingangstür in den Mauern und Häuserzeilen sich reihum vor ihm schließt, zum besinnlichen Abend schließt oder auch zu den schrillen Klängen vom janusköpfigem Partylärm irgendwo da schräg gegenüber, der nach Polonäse klingt. Eines der Gesichter des feiernden Menschenwurms – zu Korken und zu falschem Gelächter – ist ins letzte Jahr gerichtet, das andere stoisch nach vorn. So wie eigentlich auch seins, wie er sich beschämt sagen muss.
Im rechten Winkel oder auch im falschen zwischen zwei schäbigen Kästen, von denen einer weiter vorspringt in die Straße hinein als der verschattete andere, bleibt der Bettelmann kurz stehen. Irgendwo viel weiter hinten, noch viele Kreuzungen entfernt, an jenem dunklen Haus an der Ecke, das zwei Nummern trägt, die 1 und die 31, jeweils für die eine Straße, die dort erst entspringt, sowie für die andere, in deren Mitte es liegt, dort soll der Treffpunkt sein. Er schaut am Gemäuer empor, vor dem er gerade steht. Ein steiler Winkel, neunzig Grad.
Kalt wie seine neunzig Knochen.
Jeden Tag nun pilgert er an diesen verheißungsvollen Ort und wartet auf seine Nathalie, auf die Frau aller Frauen, die sich den Finger so wunderbar durch die geschwollene Ritze zog, zartrosa, aufgeworfen, nass und Fäden ziehend im Spalt, womit sie virtuos spielte, die Fäden an den Fingern fort blies, als wären sie Seifenblasen, eine Symphonie in Soap, oder sie langsam ableckte, genüsslich und dabei zwinkernd, sodass er spürte, das war nicht gestellt, das war keine schnöde Routine einer abgelutschten Nutte, deren Gesten so kühl kamen wie der Knüppel des Autopilots, mit dem man sie bediente.

 

 

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