Über Erotik

____________________________WORDPRESS_ tanga_ 2Über Erotik …?

[Der Artikel stammt von 2011 und bezieht sich auf eine Auftragsarbeit aus den Jahren 2008-11.]

Auch wer anderes glaubt: Die Doppelmoral ist nicht totzukriegen. ‚Erotik‘ gönnt man sich noch immer eher verstohlen, oft mit dem Gefühl, einen Griff in die Schmuddelecke getan zu haben und Halbseidenes, Billiges, Anrüchiges zu konsumieren. Nicht etwa zu lesen, zu hören oder zu schauen. Man bedenke bloß, wie völlig frei und unbefangen sich Konversation machen ließe über die letzte Erotik-Geschichte, die man so aufregend fand … warum genau … und was sie in einem bewirkt hat … jenseits von allgemeiner Sittenverfall-Schelte oder aber der pauschalen Feststellung etwa, gewisse Bestseller seien doch cool gewesen. *kicher*
Anders gesagt: Das Genre hat ein Image-Problem, auch diesseits von Billig-Hardcore. Ich finde das unendlich schade. Denn wo sind mehr Sehnsüchte und Träume verborgen, wo mehr Tabu und Tödliches als im Bereich des sogenannten Erotischen? Klar soll es zur Sache sein und zur Sache gehen. Damit drin ist, was draufsteht. Nur denke ich doch, Geschichten dieser Art können durchaus so geschrieben sein, dass sie ernst zu nehmen sind. Als etwas, was einem nachgeht, mit Tiefe, Tragik, mit Komik, mit allem, was das Leben ausmacht … als das Gegenteil von Billig, Ex & Hopp eben. Nicht nur die Klassiker, sondern auch Neugeschriebenes.
Ich haben mir vorgenommen, an der Situation etwas zu ändern. Sicher ein Wagnis, Erotik als vollgültige Literatur, ob als Buch [geplant], als E-Book oder als Hörbuch  – ohne stöhnende Laien, dafür mit renommierten Schauspielerinnen als Sprecherinnen. Als Autorin des zwöfteiligen Erotischen Kabinetts [E-Books, teils Hörbücher, Komplettierung geplant sowie ein Print-Buch] versuche ich zu sondieren, inwieweit in der Sparte auch sprachlich schöne und komplexe Erzählungen, die unter allgemeiner Belletristik laufen könnten, weil sie – etwa in der Tradition Georges Batailles – Lebensfragen mitbeleuchten, von einem mehrheitsfähigen Publikum erwünscht sind – oder ob es eben doch lieber Abrotz-Ware, die konkrete Bedienung konkreter Neigungen mittels sprachlicher Ummantelung oder stereotypisiertes Romantik-Gesäusel sein darf.
Gerade wir Frauen sind ja heikel, wenn es um kommerzielle, fremdverfasste und daher auch irgendwie fremd-intime Erotik geht. Was genau macht es so schwierig, unser Geschlecht mit Geschichten zu beglücken? Das geringer ausgeprägte Reiz-Reaktionsschema? Der Hang zur Individualität und Komplexität? Der Unwille, dann zu zucken, wenn frau soll? Muss Erotik überhaupt solche Funktionen bedienen i.e. für eine Art Erregung sorgen? Oder darf sie auch Reflexion sein? Oder beides?
Wir werden sehen. Und hören.

2 Kommentare

  1. Pingback: Über Erotik « Zu Gast bei Eros & Thanatos

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